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FAEN-AbschlusskonferenzWeiter | Letztes

29.11.2011 - Neues Leitbild zur nachhaltigen Erzeugung tierischer Nahrungsmittel

Am 23.11.2011 fand in Vechta die Abschlusskonferenz des Verbundpro-
jektes 2 des Forschungsverbunds Agrar- und Ernährungswissenschaften Niedersachsen (FAEN) statt. Beteiligt waren insgesamt neun Forscher-
gruppen mit über 20 WissenschaftlerInnen der Universitäten Göttingen, Oldenburg, Osnabrück und Vechta sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover. In der Konferenz wurden die Ergebnisse der einzelnen Teil-
projekte sowie das gemeinschaftlich erarbeitete neue Leitbild einer nachhaltigen Tierproduktion vorgestellt und mit über 130 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik z. T. sehr kontrovers diskutiert.

Nachdem Gastgeber Albert Focke, Landrat des Landkreises Vechta, die Veranstaltung eröffnet hatte, stellte Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst (Univ. Vechta), Projektkoordinator und Moderator der Tagung, in seinen einführenden Worten Ausgangssituation und Zielsetzung des Projektes dar. Dr. Aline Veauthier (Univ. Vechta) präsentierte Zielmarken der Tier-
produktion bis zum Jahr 2020 und wies darauf hin, dass z.T. stark an-
steigende Bestände zu einer Verschärfung der bestehenden Probleme führen werden. Anschließend referierte Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (Univ. Göttingen) zum Thema Gesellschaftliche Akzeptanz der Tierproduktion und zeigte Handlungsstrategien zum Umgang mit Akzeptanz- und Reputationsdefiziten für die Fleischwirtschaft auf. Prof. Dr. Thomas Blaha (Tierärztliche Hochschule Hannover, Außenstelle Bakum) sprach über das Seuchenrisiko in Regionen mit hoher Tierdichte. Prof. Dr. Gabriele Broll (Univ. Osnabrück) übernahm den Vortrag zum Thema Umwelt-
belastung. Sie betonte, dass nachhaltige Produktionsprozesse einen Nährstoffkreislauf im System erforderten, um Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung zu minimieren.
Nach dem Problemaufriss am Vormittag, erfolgte nachmittags die Vorstellung von konkreten Strategievorschlägen und Handlungsan-
weisungen. Zunächst betrachtete Prof. Blaha die besonderen Anforder-
ungen an Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und –qualität, die sich aus der hohen regionalen Dichte der Nutztierhaltung in Weser-Ems ergeben und präsentierte Lösungen, wie eine tierschutzkonforme Nutztierhaltung zur Produktion sicherer und hochwertiger Lebensmittel aufzubauen und permanent zu optimieren sei, so dass sie von der Gesellschaft als ethisch vertretbar akzeptiert werde.
Prof. Dr. Broll zeigte organisatorische, technische und Beratungskonzepte einer nachhaltigen Ressourcennutzung auf und betonte, dass sich die Wahrnehmung von tierischen Nebenprodukten hin zu einer Ressource mit wertvollen Inhaltsstoffen im Sinne eines Rural Mining verändern müsse.
Prof. Dr. Achim Spiller (Univ. Göttingen) betrachtete abschließend zusammen mit Prof. Dr. Reinhard Pfriem (Univ. Oldenburg) Kommunika-
tion als Herausforderung für die Fleischbranche. Dabei wurde deutlich, dass die Fleischwirtschaft ihr negatives Image nur durch eine kontinuier-
liche und über mehrere Jahre angelegte Kommunikation abbauen kann, um Vertrauen zu schaffen.
Einige Referenten machten deutlich, dass es notwendig sei, schnell zu reagieren, um die Zukunft dieses hoch entwickelten Agrarwirtschafts-
raumes und dessen Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Hierbei werde es darauf ankommen, aus der bislang vorherrschenden Ver-
teidigungsposition herauszukommen und zu einem neuen Leitbild einer nachhaltigen Tierproduktion zu gelangen.
Das übergeordnete Ziel eines Strategiekonzeptes zur Sicherung des Fortbestehens und der Wettbewerbsfähigkeit der Veredelungswirtschaft im Nordwesten Niedersachsens müsse es sein, den Nachweis zu erbringen, dass die hier vorliegenden Formen der intensiven Tier-
produktion sehr wohl mit den Forderungen des Tier- und Umweltschutzes vereinbar seien und qualitativ hochwertige Lebensmittel für die Ver-
braucher bzw. die verarbeitende Industrie bereitstellten.
Nur so werde es möglich sein, eine Akzeptanz in der Bevölkerung für eine moderne Landwirtschaft zu entwickeln und zu festigen, die in effizient organisierten landwirtschaftlichen Betrieben und Unternehmen stattfinde. Die Öffnung der Tierhaltungsbetriebe und der Verarbeitungsunternehmen für die Öffentlichkeit und die geeignete Kommunikation darüber, dass die Betriebsgröße nicht zwangsläufig der Umweltverträglichkeit und Tierge-
rechtheit entgegensteht, seien eine unbedingte Voraussetzungen für ein pro-aktives Strategiekonzept.
Prof. Hans-Wilhelm Windhorst stellte in seinem Schlusswort fest, dass die Beiträge und die Diskussion gezeigt hätten, dass die Notwendigkeit einer Trendwende erkannt worden sei und dass es nun darauf ankom-
me, in gemeinsamer Anstrengung von Wirtschaft und Wissenschaft aktiv zu werden. Dabei sollten die Unternehmen und Landkreise, die in den zurückliegenden Jahrzehnten den wirtschaftlichen Erfolg möglich ge-
macht hätten, wiederum die Führungsrolle übernehmen und das neue Leitbild in die Tat umsetzen.