Suche auf FAEN:
EXTRANET Login


Sie sind hier: Aktuelles » Archiv
24.10.2008 - Auf dem Wege zu einem veränderten Leitbild in der niedersächsischen Nutztierhaltung

Konferenz des Forschungsverbundes Agrar- und Ernährungswissenschaften Niedersachsen FAEN in Hannover

Am 26. 2. 2008 fand in der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover eine erste Zwischenkonferenz im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes „Nachhaltige Produktion tierischer Nahrungsmittel in Hochverdichtungsräumen der Nutztierhaltung in Niedersachsen“ statt. Ziel der Konferenz war es, erste Forschungsergebnisse aus dem Projekt vorzustellen, an dem 9 Forschergruppen der Georg-August-Universität Göttingen, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Hochschule Vechta beteiligt sind. Die neun, eng miteinander vernetzten Forschungsprojekte, sind in drei Forschungscluster zusammengefasst.

Im Cluster 1 „Wertschöpfungsketten managen“ gehen die Wissenschaftler/innen der Frage nach:
• ob die niedersächsische Nutztierhaltung in ihren Strukturen und Organisationsformen wettbewerbsfähig ist,
• wie sich die Hygiene, Sicherheit und Qualität von tierischen Nahrungsmitteln verbessern lässt,
• wie Dokumentations- und Informationssysteme zur Optimierung von Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und Tierschutz in vertikal integrierten Ketten zur Lebensmittelproduktion aufgebaut werden können und
• wie eine zukunftsfähige Organisation von räumlichen Verbundsystemen in der Produktion tierischer Nahrungsmittel aussehen muss.
Als erste Ergebnisse der vier beteiligten Forschergruppen wurden festgehalten, dass:
• die niedersächsischen Schweinehalter hinsichtlich der Betriebsgrößen gut aufgestellt sind für den internationalen Wettbewerb, dass aber die Strukturen sowie Organisations- und Managementformen ständig weiterentwickelt werden müssen, um nicht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren,
• sich die Tiergesundheit in Schweinebeständen messen lässt; die ermittelten Daten in aufzubauenden Informationssystemen festzuhalten sind; ein wechselseitiger Informationsfluss zwischen Tierhaltern und den nachgelagerten Unternehmen notwendig ist, weil die Ketteninformationen nicht nur durch EU-Verordnungen gefordert werden, sondern auch zur Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit beitragen,
• Salmonellen relativ häufig in niedersächsischen Schweinebeständen vorkommen, eine Abwehr der latenten Erreger in den Betrieben selten erfolgt, weil sie keinen unmittelbaren ökonomischen Schaden hervorrufen und die Reinigungs- und Infektionsmaßnahmen häufig dem herrschenden Infektionsdruck nicht angepasst sind,
• hinsichtlich des Informationsaustausches zwischen Schweinehaltern und den Schlachtunternehmen noch beträchtliche Defizite vorhanden sind, weil weniger als ein Viertel der befragten Schweinemäster sich von den Schlachtunternehmen gut informiert und beraten fühlt, sich aber andererseits bei ihnen nur eine verhaltene Bereitschaft zeigt, Investitionen (z. B. im EDV-Bereich) zu tätigen, um die Qualität des Informations-
austausches zu verbessern.

Cluster 2 „Stoffströme beherrschen“
hat das Ziel auf betrieblicher Ebene umfassende Konzepte für ein nachhaltiges Management von Nährstoffen in der Schweinefleischproduktion unter ökonomischen, umweltbezogenen und tierethischen Aspekten zu entwickeln sowie auf regionaler Ebene integrative Konzepte zur nachhaltigen Verwertung von anfallenden Nebenprodukten aus der Erzeugung tierischer Lebensmittel zu erstellen.
Als erste Zwischenergebnisse hielten die beiden beteiligten Forschergruppen fest, dass:
• der regional hohe Anfall von Nährstoffen aus der Tierhaltung z. T. zu beträchtlichen Nährstoffüberschüssen führt, insbesondere in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg,
• die Böden im Oldenburger Münsterland hohe Versorgungsstufen mit Phosphat aufweisen, die es angezeigt erscheinen lassen, die Düngung am Phosphatentzug und nicht am Stickstoffentzug auszurichten,
• insbesondere die anfallende Schweinegülle nur begrenzt lokal verwertbar ist und den Export in andere Regionen notwendig macht,
• der Export von Wirtschaftsdünger aber wegen der hohen Transportkosten und der seuchenhygienischen Probleme nicht unproblematisch ist,
• neue Verfahren in der Verwertung des Wirtschaftsdüngers zu entwickeln sind,
• die auf regionaler Ebene als erfolgreich identifizierten Managementoptionen zur Steuerung der Stoffströme in den Einzelbetrieben umgesetzt werden müssen.

Im Cluster 3 „Qualität in der Fleischwirtschaft kommunizieren“ setzten sich die drei beteiligten Forschergruppen als Ziele:

• die Methoden der Fleischproduktion und deren Akzeptanz beim Verbraucher zu analysieren,
• die Bedeutung der Kaufkriterien bei Fleisch zu ermitteln und zu bewerten,
• zu einer Optimierung von Kommunikations- und Marketingstrategien der Unternehmen in der Fleischwirtschaft zu gelangen.
Die bislang erreichten Ergebnisse lassen sich in folgender Weise zusammenfassen:
• bei den Verbrauchen liegen z. T. falsche Qualitätsvorstellungen vor, was zu einer Verunsicherung führt,
• die Glaubwürdigkeits- und Vertrauensdefizite des Fleischsektors in der Gesellschaft sind beträchtlich, insbesondere gilt die für die Schlachtbe-
triebe und Wurstverarbeiter,
• die Reputation des Lebensmitteleinzelhandels und der landwirtschaftlichen Primärproduzenten ist deutlich besser, doch herrschen bezüglich der Landwirtschaft häufig veraltete und romantisierende Vorstellungen vor,
• es gibt deutliche Kommunikations- und Kooperationsdefizite innerhalb und außerhalb der Branche,
• Qualitätsvorstellungen müssen downstream (von der Fleisch-wirtschaft zum Verbraucher) und upstream (von der Fleischwirtschaft zum Produzenten) kommuniziert werden.

An der Konferenz nahmen über 70 Vertreter aus der landwirt-
schaftlichen Primärproduktion, der vor- und nachgelagerten Industrie, kommunaler Gebietskörperschaften, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, dem Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Wissenschaftler/innen niedersächsischer Fachhochschulen und Universitäten und aus benachbarten Bundesländern teil.

Die Organisatoren der Tagung machten zum Abschluss der Ver-
anstaltung deutlich, dass die Ergebnisse der Zwischenkonferenz, die erst nach gut einem Jahr Projektlaufzeit erreicht worden seien, deutlich ge-
macht hätten, dass sich durch interdisziplinäre Projekte der vorliegenden Art Erfolg versprechende Ergebnisse erzielen ließen. Man sei sehr optimistisch im Hinblick auf das Erreichen des endgültigen Projektzieles, für die Nutztierhaltung in Niedersachsen zu einem veränderten Leitbild zu gelangen, dass ökonomische, ökologische, ethische und soziale Aspekte beinhalte und eine nachhaltige Erzeugung tierischer Lebensmittel in Hochverdichtungsräumen der Tierhaltung ermögliche.



Materialien zur Konferenz


Vorträge
Poster