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26.03.2010 - Tierschutz und Finanzkrise

Dominierende Themen der IEC-Konferenz in London (27. -31. 3. 2009)

Die diesjährige Konferenz der International Egg Commission in London, an der etwa 220 Delegierte aus 26 Ländern teilgenommen haben, darunter 16 aus Deutschland, wurde geprägt von der Diskussion um Fragen des Tierschutzes and der Auswirkungen der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Frage, welche Haltungsformen für Legehennen in Zukunft die Eierproduktion in den USA und der EU bestimmen werden, zog sich wie ein roter Faden durch verschiedene Vorträge und Kommissions-
sitzungen. Um hierzu eine grundlegende Stellungnahme abgeben zu können und die mittelfristig von der OIE (Paris) zu erwartenden Richtlinien beeinflussen zu können, installierte die IEC eine Arbeitsgruppe Animal Welfare. Sie wird von Tim Lambert, dem amtierenden Geschäftsführer von Egg Farmers of Canada, geleitet. Aus Deutschland wurde Prof. Windhorst in die Arbeitsgruppe berufen. Sie wird in den kommenden Monaten die verfügbaren wissenschaftlichen Analysen sowie vor-
liegenden Internetpräsentation sammeln und auswerten, um darauf aufbauend für die Herbstkonferenz in Vancouver (13. – 18. 9. 2009) ein Strategiepapier zu entwickeln. Hierbei sollen insbesondere die in Deutschland gemachten Erfahrungen einfließen.

In einer der eigentlichen Tagung vorangehenden Strategiekonferenz wurde in drei Arbeitsgruppen darüber beraten, wie die IEC in Zukunft organisiert sein soll, welche Themenbereiche sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen wird und wie die Bedeutung des Lebensmittels Ei noch stärker im Bewusstsein der Konsumenten verankert werden kann. Dabei wurde auf eine Mitgliederbefragung zurückgegriffen, die zu Beginn des Jahres erfolgte. Sie machte deutlich, dass von den Mitgliedern folgende Themenbereiche für die zukünftige Eierproduktion und Eiervermarktung als entscheidend angesehen werden: Haltungsformen und Tierschutz, Macht der Lebensmitteleinzelhandelsketten, neue Vermarktungsformen, gesetzliche Regelungen und Standards sowie Anwendung vorliegender Forschungsergebnisse. Bemerkenswert ist, dass die im Jahr 2008 stark erhöhten Futterkosten nicht als wesentlicher Steuerungsfaktor ange-
sehen wurden. Dies mag darin begründet sein, dass gegenwärtig die Kosten wieder stark gesunken sind.

Während der zweitägigen Konferenz wurden insgesamt zwölf Vorträge gehalten. Sie lassen sich drei Themengruppen zuordnen. Eine Gruppe von Vorträgen befasste sich mit Konsumtrends und Vermarktungs-
strukturen. Dean McKenna, der bei McDonalds Europa für den gesamten Einkauf zuständig ist, erläuterte sehr detailliert, weshalb sich das Unternehmen dafür entschieden hat, keine Eier aus Käfighaltung mehr zu verwenden, in Großbritannien werden nur noch Eier aus Freilandhaltung eingesetzt. Man habe mit dieser Entscheidung dem sich abzeichnenden Trend der Abkehr von der Käfighaltung vorgegriffen. Auf kritische Fragen, ob McDonalds den Konsumenten eine Wahl gelassen habe und ob er wirklich glaube, dass die Freilandhaltung zum Tier- und Umweltschutz beitrage, antwortete er, dass es kein Zurück von dieser Festlegung mehr gebe, man dem Konsumenten keine Wahl gelassen habe, weil dies der gesamten Unternehmensphilosophie widerspreche, und man bzgl. der Freilandhaltung dabei sei, die Haltungsform zu verbessern, z. B. durch Anpflanzen von Bäumen, um zweifellos noch vorhandene Probleme zu lösen.

Ken Dowling, der für das in den USA ansässige Unternehmen Grey Consulting tätig ist, beleuchtete die globale Entwicklung des Verbraucher-
verhaltens und der Nahrungsmittelproduktion. Er machte deutlich, dass den Verbrauchern eine zunehmend wichtigere Rolle zukomme, weil gerade jüngere Käuferschichten über das Internet besser über Produktionsformen, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel informiert seien. Der Trend, neben dem Wert des Produktes auch auf Werte (Tier- und Umweltschutz, Ethik) zu achten, sei unverkennbar.

Richard Lewis vom Food Business Forum (CIES) ging in seinem sehr interessanten Vortrag der Frage nach, wie sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auf das Verbraucherverhalten auswirke. Er stellte heraus, dass nicht vor Ende 2010 mit einer wirklichen Erholung zu rechnen sei. Konsumenten, die Einkommenseinbußen hinnehmen müssten, würden sich vermehrt den Discountern und ihren private labels (Eigenmarken) zuwenden. Die zweite Gruppe der Konsumenten seien die Ängstlichen, die Kaufzurückhaltung übten, ohne finanziell dazu gezwungen zu sein. Zuwendung zu Discountern, Kauf kleinerer Packungen und eine geringere Zahl von Restaurantbesuchen seien ihre häufigsten Reaktionen. Letztlich gebe es die Gruppe, die finanziell gar nicht von der Krise betroffen sei. Hier lasse sich ein Trend zur Einfachheit (frugality chic) beobachten. Der Kauf von naturbelassenen Lebensmitteln oder solchen mit geringer Umweltbelastung sei bei ihr anzutreffen. Den Unternehmen riet er, sich allen drei Käufergruppen zuzuwenden, um die Krise ungeschadet zu überstehen.

Eine zweite Gruppe von Vorträgen beschäftigte sich mit der Eier-
produktion und dem Eierhandel unter veränderten rechtlichen und seuchenhygienischen Rahmenbedingungen. Gene Gregory, Präsident der US-amerikanischen Branchenorganisation United Egg Producers, analysierte die Ursachen und möglichen Auswirkungen der Volksab-
stimmung in Kalifornien, die dazu führt, dass ab 2015 konventionelle Käfige verboten sein werden. Weitere, ähnliche Volksabstimmungen werden gegenwärtig in sechs Staaten vorbereitet. Es sei schwierig, den Tierschützern mit wissenschaftlichen Argumenten zu begegnen, da deren Kampagnen vor allem über emotionale Gesichtspunkte geführt würden. Noch sei nicht klar, welche Strategie man seitens der Eierproduzenten verfolgen werde, um nicht mit einem Ergebnis wie in Kalifornien konfrontiert zu werden. Es wurde deutlich, dass Argumentation und Vorgehen in den USA nahezu gleich wie in Europa ablaufen, ob es zu einem ähnlichen Ergebnis wie in der EU kommen wird, dürfte erst in wenigen Jahren zu erkennen sein.

Peter van Horne von der Universität Wageningen (Niederlande) ging in seinem Vortrag der Frage nach, welche Auswirkungen die verzögerte Zulassung von gentechnisch veränderten Futtermitteln (Sojabohnen, Mais) auf die Geflügelwirtschaft der EU haben könnte. Barbara Grabkowsky (ISPA, Hochschule Vechta) stellte Ergebnisse ihrer Analyse zum Hygienestatus von Legehennenhaltungsbetrieben in Deutschland, den Niederlanden und Österreich vor. Ihre Ausführungen stießen auf große Resonanz. Es wurde angeregt, vergleichbare Untersuchungen auch in anderen Staaten durchzuführen, um einen genaueren Überblick über das Risiko der Einschleppung und Ausbreitung hochinfektiöser Tierseuchen auf betrieblicher Ebene zu erhalten. Prof. Windhorst (ebenfalls vom ISPA) berichtete über die wichtigsten Aussagen seiner für die IEC erstellten Studie zur Dynamik der globalen Eierproduktion und des Eierhandels. Dabei ging er insbesondere auf die Strukturen in den Überschuss- und Defizitgebieten sowie die sich abzeichnende Entwicklung in Deutschland und der EU ein.

Eine dritte Gruppe von Vorträgen beschäftigte sich mit Innovationen in der Erzeugung von Eiprodukten, der Errichtung eines neuen Forschungs-
institutes (Egg Industry Center) an der Iowa State University (Ames) sowie der Erarbeitung von Standards in der Erzeugung von Eiern und Eipro-
dukten durch die UN Economic Commission (Genf). Gerade die beiden letzten Vorträge ließen erkennen, dass man in der EU und insbesondere in Deutschland einen deutlichen Vorsprung hat in der Forschung bezüglich der Haltungsformen in der Legehennenhaltung, der Seuchen-
prophylaxe sowie der Dokumentation des Produktionsprozesses. Es wird darauf ankommen, dies in den Kommissionen und Arbeitsgruppen der IEC deutlich zu vertreten, um nicht das Rad neu zu erfinden. Gerade deswegen ist in Zukunft Präsenz und aktive Mitgestaltung deutscher Teilnehmer an den IEC-Konferenzen angezeigt.

Die nächsten Konferenzen finden statt vom 13. – 18. 9. 2009 in Vancouver (Kanada), im März 2010 in Paris und im September 2010 in Prag. Nähere Informationen finden sich jeweils unter: www.internationalegg.com.